Wenn die meisten oder alle Zähne eines Kiefers fehlen oder nicht mehr erhalten werden können, stellt sich häufig die Frage: All-on-4 oder All-on-6? Beide Behandlungskonzepte ermöglichen eine festsitzende Zahnreihe, unterscheiden sich jedoch bei der Anzahl und Verteilung der Implantate, dem benötigten Knochenangebot, dem chirurgischen Aufwand und den Kosten.

Welche Lösung besser ist, lässt sich nicht allein anhand der Implantatanzahl entscheiden. Ausschlaggebend sind unter anderem die Qualität des Kieferknochens, Ihre Bisssituation, die geplante Zahnbrücke, Ihre Mundgesundheit und mögliche Risikofaktoren.

Die kurze Antwort

Bei All-on-4 wird eine vollständige Zahnreihe auf vier Implantaten befestigt. Das Konzept kann besonders bei begrenztem Knochenangebot sinnvoll sein. All-on-6 verwendet sechs Implantate und ermöglicht bei geeigneten anatomischen Voraussetzungen eine breitere Abstützung. Mehr Implantate bedeuten jedoch nicht automatisch ein besseres Ergebnis.

Was ist All-on-4?

Bei der All-on-4-Behandlung tragen vier strategisch positionierte Implantate eine festsitzende Brücke für den gesamten Ober- oder Unterkiefer.

Die beiden hinteren Implantate können je nach Anatomie schräg eingesetzt werden. Dadurch lässt sich vorhandener Knochen besser nutzen, während empfindliche Strukturen wie die Kieferhöhle oder der Unterkiefernerv berücksichtigt werden. Bei ausgewählten Patienten kann so ein umfangreicher Knochenaufbau vermieden werden.

All-on-4 kann geeignet sein für Patienten, die:

  • bereits vollständig zahnlos sind,
  • nur noch wenige nicht erhaltungswürdige Zähne besitzen,
  • im hinteren Kieferbereich wenig Knochen haben,
  • möglichst auf einen umfangreichen Knochenaufbau verzichten möchten,
  • eine festsitzende Alternative zur herausnehmbaren Prothese suchen.

Vier Implantate sind allerdings nicht für jeden Kiefer automatisch ausreichend. Entscheidend sind ihre Stabilität, Position und Verteilung sowie die Konstruktion der späteren Zahnbrücke.

Unterschied zwischen vier und sechs Implantaten für eine Vollkieferbrücke

Was ist All-on-6?

Bei All-on-6-Zahnimplantaten wird die vollständige Zahnreihe von sechs Implantaten getragen. Die zusätzlichen Implantate ermöglichen bei passendem Knochenangebot eine breitere Abstützung der prothetischen Versorgung.

All-on-6 kann insbesondere dann erwogen werden, wenn:

  • ausreichend Knochen an sechs geeigneten Positionen vorhanden ist,
  • die Kieferform eine breitere Implantatverteilung ermöglicht,
  • die geplante Brücke zusätzliche Abstützung benötigt,
  • die individuelle Bisssituation für sechs Implantate spricht,
  • ein ausreichender Abstand zu anatomischen Strukturen eingehalten werden kann.

Für All-on-6 kann in bestimmten Fällen ein Knochenaufbau notwendig werden, wenn an den geplanten Implantatpositionen nicht genügend Knochen vorhanden ist.

All-on-4 und All-on-6 im direkten Vergleich

MerkmalAll-on-4All-on-6
Implantate pro Kiefer46
ZahnersatzFestsitzende VollbogenbrückeFestsitzende Vollbogenbrücke
ImplantatverteilungHintere Implantate häufig geneigtMeist breitere Verteilung möglich
KnochenbedarfHäufig geringerAusreichender Knochen an mehr Positionen erforderlich
KnochenaufbauKann bei ausgewählten Fällen vermieden werdenJe nach Knochenangebot häufiger erforderlich
BelastungsverteilungAbhängig von Implantatposition und BrückendesignZusätzliche Abstützung möglich
Chirurgischer UmfangVier ImplantatpositionenSechs Implantatpositionen
Provisorische feste ZähneBei ausreichender Primärstabilität möglichBei ausreichender Primärstabilität möglich
ReinigungSorgfältige Pflege unter der Brücke erforderlichMehr Implantatbereiche müssen gereinigt werden
KostenIn der Regel niedrigerMeist höher
Geeignet fürHäufig bei reduziertem KnochenangebotHäufig bei gutem Knochenangebot

Ist All-on-6 automatisch stabiler als All-on-4?

Sechs Implantate bieten theoretisch mehr Abstützungspunkte. Daraus folgt aber nicht, dass All-on-6 bei jedem Patienten langlebiger oder sicherer ist.

Ein Konsensus des International Team for Implantology, der Ergebnisse aus 93 Studien berücksichtigte, fand bei festsitzenden Vollbogenversorgungen keinen statistisch signifikanten Unterschied der Implantatüberlebensraten zwischen weniger als fünf und fünf oder mehr Implantaten. Entscheidend sind vielmehr die prothetische Planung, Implantatverteilung, Knochenqualität, Länge freier Brückenbereiche und die Möglichkeit einer langfristigen Reinigung. ITI-Konsensus zur Implantatanzahl

Das bedeutet nicht, dass beide Systeme in jedem Einzelfall gleichwertig sind. Es zeigt vielmehr, dass die Implantatanzahl niemals isoliert betrachtet werden sollte.

Wann kann All-on-4 die bessere Wahl sein?

All-on-4 kann eine geeignete Lösung darstellen, wenn im hinteren Kieferbereich wenig Knochen vorhanden ist, im vorderen Bereich jedoch vier stabile Implantatpositionen geplant werden können.

Das Konzept kann vorteilhaft sein, wenn:

  • eine kompaktere Behandlung gewünscht wird,
  • ein umfangreicher Knochenaufbau vermieden werden soll,
  • vier Implantate ausreichend stabil verankert werden können,
  • die Brücke ohne übermäßig lange Freiendbereiche geplant werden kann,
  • eine gute häusliche Reinigung gewährleistet ist.

All-on-4 darf jedoch nicht allein deshalb ausgewählt werden, weil es weniger Implantate oder niedrigere Kosten bedeutet. Die Lösung muss biomechanisch und medizinisch zum jeweiligen Kiefer passen.

Digitale Planung für All-on-4 und All-on-6 Zahnimplantate

Wann kann All-on-6 sinnvoller sein?

All-on-6 kann gewählt werden, wenn genügend Knochen für sechs sinnvoll verteilte Implantate vorhanden ist und die zusätzlichen Implantate das geplante prothetische Konzept unterstützen.

Die Methode kann insbesondere bei einer großen Kieferform, bestimmten Belastungsverhältnissen oder einer geplanten breiten Implantatverteilung infrage kommen. Zähneknirschen und starkes Pressen müssen unabhängig von der Implantatanzahl berücksichtigt und gegebenenfalls mit einer Schutzschiene behandelt werden.

Auch sechs Implantate können eine schlechte Planung, mangelnde Mundhygiene oder eine ungünstige Bissbelastung nicht ausgleichen.

Oberkiefer und Unterkiefer müssen getrennt geplant werden

Es ist nicht zwingend notwendig, in beiden Kiefern dasselbe Konzept zu verwenden. Ein Patient kann beispielsweise All-on-6 im Oberkiefer und All-on-4 im Unterkiefer erhalten.

Bei der Planung werden unter anderem folgende Strukturen berücksichtigt:

  • Knochenhöhe und Knochenbreite,
  • Lage der Kieferhöhlen,
  • Verlauf des Unterkiefernervs,
  • Qualität des vorhandenen Knochens,
  • Position der gegenüberliegenden Zähne,
  • Platz für die spätere Zahnbrücke,
  • Lippenunterstützung und sichtbare Lachlinie.

Eine Panoramaröntgenaufnahme kann eine erste Einschätzung ermöglichen. Die endgültige Entscheidung sollte jedoch erst nach einer klinischen Untersuchung und einer dreidimensionalen DVT- beziehungsweise CBCT-Diagnostik getroffen werden.

Können bei beiden Methoden feste Zähne sofort eingesetzt werden?

Sowohl bei All-on-4 als auch bei All-on-6 kann häufig innerhalb von 24 bis 72 Stunden eine provisorische festsitzende Brücke eingesetzt werden. Dabei handelt es sich zunächst um einen vorläufigen Zahnersatz, der die Implantate während der Einheilung schützen soll.

Eine Sofortversorgung ist nur möglich, wenn die Implantate eine ausreichende Primärstabilität erreichen und die Belastung kontrolliert werden kann. Das ITI betont, dass die Primärstabilität jedes Implantats vor einer sofortigen Belastung bestätigt werden muss. Ein gleichzeitig notwendiger Knochenaufbau kann dagegen eine relative Kontraindikation darstellen. ITI-Empfehlungen zur Sofortbelastung

Während der Einheilphase müssen harte und sehr zähe Lebensmittel vermieden werden. Die endgültige Brücke wird üblicherweise nach abgeschlossener Osseointegration angefertigt.

Wie wird die passende Lösung ausgewählt?

1. Medizinische Anamnese

Erkrankungen, Medikamente, Diabetes, Rauchen, frühere Parodontitis und die Einnahme knochenwirksamer Medikamente müssen vor der Implantation besprochen werden.

2. Untersuchung der vorhandenen Zähne

Erhaltungswürdige Zähne sollten nicht allein zugunsten einer All-on-4- oder All-on-6-Versorgung entfernt werden. Der ITI-Konsensus empfiehlt ausdrücklich, den Zahnerhalt als Teil der Behandlungsplanung zu berücksichtigen.

3. Dreidimensionale Diagnostik

Mithilfe einer DVT- oder CBCT-Aufnahme werden Knochenvolumen, anatomische Strukturen und mögliche Implantatpositionen beurteilt.

4. Rückwärtsplanung vom Zahnersatz

Zuerst wird festgelegt, wie die zukünftige Zahnreihe aussehen, funktionieren und gereinigt werden soll. Danach werden Anzahl, Position und Winkel der Implantate geplant.

5. Bewertung der Sofortversorgung

Während der Operation zeigt sich, ob die notwendige Stabilität für eine sofort eingesetzte provisorische Brücke erreicht wird.

Behandlungsablauf bei Tarja Dental Clinic

Die Behandlung erfolgt üblicherweise in zwei Phasen:

  1. Online-Erstbewertung: Übermittlung aktueller Röntgenaufnahmen und medizinischer Informationen.
  2. Diagnostik in der Klinik: Klinische Untersuchung, digitale Scans und dreidimensionale Planung.
  3. Implantation: Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne und Einsetzen der geplanten Implantate.
  4. Provisorische Versorgung: Bei geeigneter Stabilität wird innerhalb von 24 bis 72 Stunden eine feste provisorische Brücke eingesetzt.
  5. Einheilphase: Die Implantate verbinden sich über mehrere Monate mit dem Kieferknochen.
  6. Endgültige Zahnbrücke: Nach erfolgreicher Einheilung werden Biss, Form und Ästhetik der definitiven Versorgung angepasst.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite über Zahnimplantate in Albanien.

Pflege und Lebensdauer

Der langfristige Erfolg hängt nicht nur von der Anzahl der Implantate ab. Besonders wichtig sind:

  • tägliche Reinigung unter der Zahnbrücke,
  • Verwendung geeigneter Interdentalbürsten oder einer Munddusche,
  • regelmäßige professionelle Kontrollen,
  • Kontrolle von Diabetes und anderen Erkrankungen,
  • Verzicht auf Rauchen,
  • Behandlung von Zähneknirschen,
  • frühzeitige Kontrolle bei Blutungen, Schwellungen oder Lockerungen.

Die European Federation of Periodontology weist darauf hin, dass gute Mundhygiene und regelmäßige professionelle Nachsorge entscheidend sind, um Erkrankungen rund um Implantate zu verhindern. Patienteninformationen der EFP

Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber über die Lebensdauer von Zahnimplantaten.

Was kosten All-on-4 und All-on-6?

All-on-6 ist wegen der zwei zusätzlichen Implantate in der Regel teurer. Der Gesamtpreis hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:

  • Versorgung eines oder beider Kiefer,
  • erforderliche Zahnextraktionen,
  • Knochenaufbau oder Sinuslift,
  • Implantatsystem,
  • Material der provisorischen und endgültigen Brücke,
  • Sedierung und zusätzliche chirurgische Maßnahmen,
  • notwendige Nachbehandlungen.

Ein Angebot sollte deshalb immer genau aufführen, welche chirurgischen, prothetischen und diagnostischen Leistungen enthalten sind. Weitere Informationen bietet unser Kostenleitfaden für Zahnimplantate.

All-on-4 oder All-on-6: Unser Fazit

All-on-4 oder All-on-6 ist keine Entscheidung zwischen einer schlechten und einer guten Lösung. Beide Konzepte können bei richtiger Indikation zuverlässige festsitzende Versorgungen ermöglichen.

All-on-4 kann bei begrenztem Knochenangebot und dem Wunsch nach einer kompakteren Behandlung sinnvoll sein. All-on-6 kann bei ausreichendem Knochen eine breitere Abstützung bieten. Die endgültige Empfehlung muss jedoch aus der dreidimensionalen Diagnostik, der Bisssituation und dem geplanten Zahnersatz abgeleitet werden.

Sie möchten wissen, welche Methode zu Ihrem Kiefer passt? Vereinbaren Sie eine persönliche Implantatberatung bei Tarja Dental Clinic. Nach Prüfung Ihrer Röntgenaufnahme erhalten Sie eine individuelle Einschätzung und einen transparenten Behandlungsplan.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche zahnärztliche Untersuchung.


Häufig gestellte Fragen

Ist All-on-6 besser als All-on-4?

Nicht automatisch. All-on-6 bietet zwei zusätzliche Abstützungspunkte, benötigt dafür aber ausreichenden Knochen. Bei geeigneter Planung kann auch All-on-4 eine zuverlässige Lösung sein.

Welche Methode hält länger?

Die Haltbarkeit hängt stärker von Planung, Implantatposition, Mundhygiene, Bissbelastung und Nachsorge ab als von der Implantatanzahl allein.

Kann All-on-4 später auf All-on-6 erweitert werden?

Das kann in einzelnen Fällen möglich sein, muss aber bereits bei der ursprünglichen Planung berücksichtigt werden. Knochenangebot und Konstruktion der vorhandenen Brücke entscheiden über die Machbarkeit.

Ist bei All-on-6 immer ein Knochenaufbau erforderlich?

Nein. Ein Knochenaufbau ist nur notwendig, wenn an den geplanten Implantatpositionen nicht genügend stabiler Knochen vorhanden ist.

Können Ober- und Unterkiefer unterschiedlich behandelt werden?

Ja. Je nach Knochenangebot kann beispielsweise im Oberkiefer All-on-6 und im Unterkiefer All-on-4 eingesetzt werden.

Was passiert, wenn ein Implantat verloren geht?

Die Brücke, die verbleibenden Implantate und die Ursache des Verlustes müssen untersucht werden. Abhängig vom Befund kann das Implantat ersetzt oder die prothetische Konstruktion angepasst werden.

Gibt es eine Altersgrenze?

Es gibt keine feste obere Altersgrenze. Wichtiger sind der allgemeine Gesundheitszustand, die Mundgesundheit, die Medikamente und die Fähigkeit zur langfristigen Pflege.